Liberales Judentum

Liberales Judentum – auch Reform- oder progressives Judentum genannt – entstand im 19. Jahrhundert in Deutschland als Reaktion auf die beginnende rechtliche Gleichstellung der Juden und die damit veränderte Lebenssituation. Es verbindet den Wunsch nach gesellschaftlicher Teilhabe mit einer bewusst gelebten jüdischen Identität. Im Zentrum steht die Überzeugung, dass Offenbarung ein fortlaufender Prozess ist. Religiöse Tradition wird daher im Dialog mit der Gegenwart verstanden und weiterentwickelt – offen für neue Perspektiven und geprägt von persönlicher Verantwortung, Bildung und Reflexion.

Bis zur Schoa war das liberale Judentum in München, wie in den meisten Orten in Deutschland, die prägende Strömung. Mit der Zerstörung der jüdischen Gemeinden durch den Nationalsozialismus wurde diese Entwicklung gewaltsam unterbrochen. Seit den 1990er Jahren knüpfen neue liberale Gemeinden wieder daran an und führen die progressive Tradition unter heutigen Bedingungen weiter – als lebendiger, sich wandelnder Teil jüdischen Lebens.